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Bio ist nicht gleich Bio

Leutascherhof-Philosophie und Herzensthema

Wenn es um das Thema Bio geht, läuft Leutascherhof-Chef Christian Wandl zu Hochform auf. Kein Wunder, beschäftigt er sich doch bereits seit vielen Jahren mit biologischer Landwirtschaft und darüber hinausgehend mit ganzheitlicher Lebensführung... 

Wenn es um das Thema Bio geht, läuft Leutascherhof-Chef Christian Wandl zu Hochform auf. Kein Wunder, beschäftigt er sich doch bereits seit vielen Jahren mit biologischer Landwirtschaft und darüber hinausgehend mit ganzheitlicher Lebensführung...

Lieber Christian, weshalb ist Bio nicht gleich Bio?

Grundsätzlich gesehen ist Bio immer besser als konventionell, aber für mich geht das Ganze schon noch einen Schritt weiter: Gerade in der regionalen Landwirtschaft geht es darum, dass die Philosophie des jeweiligen Produzenten stimmt. Bei biologischer Landwirtschaft gehört für mich zum Beispiel auch dazu, dass der Bauer davon leben kann.

Es ist mehr, als dass einfach ein Siegel auf den Produkten klebt – es geht generell um Nachhaltigkeit. Das Siegel ist der erste Schritt, und ich muss als Produzent vom Bio-Gedanken überzeugt sein, das auch verkörpern.

Inzwischen haben ja einige große Lebensmittelketten eigene Bio-Linien...

Ja genau, inzwischen hat fast jede große Lebensmittelkette eine eigene Marke... Früher waren die Bauern abhängig von den Molkereien, heute sind sie abhängig von den Preisen der Supermärkte. Ich finde, das ist keine gute Entwicklung.

Das wollen wir auch im Leutascherhof nicht unterstützen – wo es möglich ist, gehen wir einen Schritt weiter und wenden uns rein an regionale Bio-Anbieter. Wir arbeiten hauptsächlich mit Produzenten, die wir kennen. Und wenn wir sie nicht kennen, dann kennen unsere Lieferanten sie! Wenn in der Kette alle gleich denken und gleich achtsam sind, dann funktioniert das sehr gut, wir vertrauen da unseren Partnern.

Das heißt du triffst die Produzenten auch, die euch beliefern?

Ja, und auch mein Vater fährt gerne zu den jeweiligen Produzenten, um sie kennen zu lernen. Das ist uns einfach wichtig, weil es uns eben nicht nur ums reine Produkt geht. Wenn wir mit einem neuen Partner verhandeln, ist der Preis immer sekundär – zuerst muss ich schauen, passt die Qualität? Und was braucht der Bauer von uns, um davon leben zu können und dauerhaft qualitativ und verlässlich liefern zu können?

Wir zahlen beispielsweise einen stolzen Preis für unsere Eier, aber die Hühner wohnen eben nur 500 Meter entfernt von uns und wir werden täglich und auf lange Sicht beliefert.

Und es muss auch menschlich passen! Wenn du mit einem überzeugten Bio-Produzenten redest merkst du sofort, ob er das aus kommerziellen Gründen oder aus Überzeugung macht. Es ist eine ganzheitliche Philosophie, eine Lebenseinstellung...

Ihr beschäftigt euch ja aktuell auch stark mit dem Begriff „Gemeinwohlökonomie“...

Ja genau – durch die Umstellung auf 100 % Bio war das irgendwann für uns selbstverständlich, das hat unseren Blickwinkel auf viele Dinge verändert.

Christian Felber ist ein österreichischer Aktivist und Autor, er hat den Begriff der Gemeinwohlökonomie in den letzten Jahren geprägt. Seine Arbeit dient als Grundlage für die Gemeinwohlökonomie-Bilanz, die bei uns gerade in Form eines freiwilligen Berichts verfasst wird. 

Es ist eine alternative Bilanz, bei der eben nicht nur finanzielle Aspekte aufscheinen, sondern auch hinter die Kulissen geschaut wird. Wie geht unser Betrieb mit den eigenen Mitarbeitern um? Mit den Lieferanten? Mit den Gästen? Mit den Mitbewerbern aus der Region? 

Der Bericht ist nach Abschluss für alle Interessierten transparent und offen einsehbar. Er gliedert sich zum Beispiel in die Kapitel „Menschenwürde in der Zulieferkette“, „Solidarität und Gerechtigkeit in der Zulieferkette“, „Ökologische Nachhaltigkeit in der Zulieferkette“, „Transparenz und Mitentscheidung“, „Menschenwürde am Arbeitsplatz“. 

Hier findet man Infos zu Christian Felber und seiner Arbeit, die uns als Unternehmer und auch menschlich sehr geprägt hat: https://www.youtube.com/watch?v=cVFvyd7SmxU

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