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Vorbereitungen auf den Langlaufwinter

LOIPENPARADIES OLYMPIAREGION SEEFELD

 

Wieviel Erfahrung, Technik und Logistik steckt in den 254 perfekt präparierten Loipenkilometern der Olympiaregion Seefeld? Joachim Poelzl, Leiter des Destinations- und Produktmanagements der Premiumregion des nordischen Sports, gibt spannende Einblicke in eine komplexe Materie.

Joachim „Jojo“ Poelzl ist seit August 2019 nach eigenen Angaben „zuständig für alles“, wenn es um die Loipen in und rund um Seefeld geht. Ihm zur Seite stehen an die 15 Mitarbeiter im Bauhof, die einen supermodernen Fuhrpark, 36 Schneekanonen und mehr als 1.000 Schilder bewegen.

 

Hallo Jojo, wann startet Ihr in der Olympiaregion Seefeld mit den Vorbereitungen fürs Langlaufen?
 

Genau genommen sind wir eigentlich rund ums Jahr mit vielfältigen Aufgaben beschäftigt, die erledigt werden, damit wir garantiert Mitte November mit dem ersten Loipenangebot starten können. Im Sommer werden Beschneiung und Maschinen serviciert. Wir haben einen Fuhrpark von sieben Kässbohrer PistenBullys 100 und einen Prinoth Bison X zur Verfügung, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Mindestens sechs Wochen vor Saisonstart geht es mit der Vorbereitung des sogenannten „Loipenkörpers“ los. Alle Strecken, die von den Landwirten während des Sommers zwei Mal gemäht wurden, werden nun mit dem Traktor befahren und geschlägelt, zu dicht stehende und überhängende Bäume werden ausgeschnitten. Die Beschilderung, die aus Naturschutzgründen nach dem Winterende komplett abgebaut wird, muss nach den bestehenden Vorschriften neu vermessen und aufgebaut werden. Bei mehr als 1.000 Schildern kommt da schon was zusammen.

 

Wie wird die Beschneiung der Loipen organisiert und durchgeführt?
 

Zum einen betreiben wir in der Olympiaregion Seefeld seit 2015 Snowfarming. Das heißt, dass wir während des Winters gefallenen Schnee einlagern. Rund 10.000 Kubikmeter werden, abgedeckt von Hackschnitzeln, als Depot in unmittelbarer Nähe der Loipe Alpenbad Leutasch aufbewahrt. Bei nur rund zehn Prozent Verlust ist das eine sehr gute Möglichkeit, Schnee zu bevorraten und wir können zuverlässig Mitte November mit der 1,5 Kilometer langen Übungsloipe starten. Die Grundbeschneiung des Loipenkörpers läuft ansonsten wie bei den alpinen Skipisten. Wir nützen dazu 36 Schneekanonen, von denen sich sechs in der Leutasch befinden. Beschneiung ist das um und auf, in der Leutasch setzen wir eher auf Depot-Beschneiung, mit Traktoren liefern wir punktgenau den Schnee dorthin, wo es Bedarf gibt.

 

Wie schafft Ihr es, in der ganzen Region eine gleichmäßig hochwertige Loipenqualität zu gewährleisten?

 

Da hilft uns die Technik schon sehr, denn alle unsere Pistengeräte sind mit D-GPS-Schneehöhenmessung ausgestattet. Das muss man sich so vorstellen: Das gesamte Gelände wurde einmal mit dem Hubschrauber, dann im Detail mit Drohnen gescannt. Wir haben so ein Geländemodell des Loipenkörpers erhalten. Die Pistengeräte mit D-GPS bekommen auf Zentimeter genaue Signale, denn auch die Schneeauflage wird exakt vermessen. Der Fahrer kann mittels eines Farbcodes erkennen, wo er Schnee aufbringen muss. So erreichen wir eine gleichmäßige Schneeauflage und bieten eine durchgehend hohe Qualität des Untergrunds. Außerdem verfügen unsere Pistengeräte über spezielle Fräsen für Skating-Spuren und auf allen Maschinen sind Vorfräsen für klassische Loipen montiert. Das sind große Investitionen, die aber für die Olympiaregion Seefeld als Premiumgebiet des nordischen Sports absolut unverzichtbar sind. Damit das alles bestmöglich funktioniert, besuchen unsere Fahrer ein bis zwei Kässbohrer-Fahrertrainings pro Saison. Die besten Maschinen müssen von den Besten bedient werden, um ein maximales Ergebnis zu erzielen.

 

Langlaufen ist ja ein sehr umweltfreundlicher Sport. Wie sieht es mit der Entwicklung von alternativen Antriebsenergien für die Pistengeräte aus?
 

Ja, keine Frage, Umweltschutz ist für uns natürlich ein bedeutendes Thema. Hybridmaschinen werden definitiv kommen. Die große Herausforderung sind die Distanzen, die bei der Bearbeitung eines Langlaufkörpers einfacher zu managen sind als auf den alpinen Skipisten. Zudem verfügen wir über drei Bauhöfe zum Laden. Aus dieser Perspektive werden wir sicher zu den Ersten gehören, die Hybridmaschinen erfolgreich einsetzen. Wir testen laufend die Prototypen namhafter Hersteller und werden auch im kommenden Winter mindestens einen Prototyp fix im Fuhrpark haben.

 

Mit welchen Aufgaben sind deine Mitarbeiter im Winter beschäftigt?
 

Im Einsatz sind 14 bis 16 Mitarbeiter in den Bauhöfen, dazu drei Saisonarbeiter, weil der gesamte Loipenkörper täglich präpariert wird. Ein eigenes Team beschäftigt sich mit der korrekten Umsetzung der Norm zur Beschilderung der Loipen, bietet Kundeninformation vor Ort an und kontrolliert die Loipentickets. Zu den Aufgaben gehört auch die Loipensicherheit, das heißt, die Aufstellung von Netzen und Polstern, der Schutz bei Präparierarbeiten während des Betriebs, Loipensperren etc. Außerdem sind die Mitglieder unseres Teams für Rettungseinsätze auf den Loipen geschult. Wir haben nach der Meldung eines notwendigen Einsatzes eine Zugriffszeit von nur acht bis zehn Minuten! Die Zusammenarbeit mit der Bergrettung ist sehr gut, insgesamt kann man unser Loipengebiet mit einem alpinen Skigebiet vergleichen. Langlaufsportlerinnen und Sportler sind bei uns in der Olympiaregion Seefeld also im Notfall bestens aufgehoben.
 

Danke für das interessante Gespräch und alles Gute für eine lange und erfolgreiche Wintersaison!

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